Cego-Regeln aus 2 Jahrhunderten
"Welches sind eigentlich die offiziellen Cego-Regeln?". Diese Frage wird häufig gestellt. Die einfache Antwort darauf ist: "Die gibt es nicht". Alle "offiziellen" Regelwerke die von Kartenverlagen oder Buchautoren verfasst wurden, widersprechen sich zum Teil grundlegend.
Die Schwarzwaldmeisterschaft hat inzwischen aber ein überregionales Regelwerk etabliert. Daher sollen diese Regeln auf der folgenden Seite im Vordergrund stehen. Sie dient auch "Cego-Online" als Grundlage.
Auch andere "offizielle" Regeln kann man hier finden:
Die beiden ältesten hier aufgeführte Regelwerke stammt aus dem Jahr 1845 von Sebaldus Schwarzer und ein Regelwerk von 1860.
Ihr findet auch das "Standardwerk" aus den 1970er-1980er Jahren: Das Heftchen von F.X. Schmid, das den Karten beilag.
Außerdem gibt es noch ein Regelwerk von Altenburger aus den 1970er Jahren, das so bereits in den 50er Jahren veröffentlicht wurde.
Inzwischen findet man hier auch die Regel zum Dreierles und zum Dappen. Zwei Schwarzwälder Spiele die mit Cegokarten gespielt werden, aber enger mit dem Schweizer und Österreichischen Tapp-Tarock verwand sind, als mit dem uns bekannten Cego .
Darüber hinaus sammle ich noch regionale Eigenarten, von denen es wirklich schade wäre, wenn sie bei den ganzen Vereinheitlichungs-Bemühungen unter die Räder kämen. Zum Wissen über diese Regeln könnt ihr beitragen, wenn ihr bei der Umfrage zu den regionalen Besonderheiten teilnehmt.
Die Schwarzwald-Meisterschaft
Mit den Regeln der Schwarzwaldmeisterschaft kommt ihr fast überall durch. Ein paar Fragen müssen aber immer vor dem Spiel abgeklärt werden, insbesondere wenn ihr im Rheintal, am Bodensee, oder in Unadingen spielt ;-).
Z. B. Wird mit einer Halben gespielt. Werden 3 Karten oder 2 Karten zusammengezählt. Wird der Räuber nach Regeln gespielt. Wird mit Pflichtsoli gespielt.
Die Regeln von FX Schmid
Sie waren in den 1980er Jahren häufig die letzte Instanz, da sie den Karten der Firma FX Schmid beilagen. Sie waren damals also weit verbreitet. Danke der Firma Ravensburger für das PDF, das unter folgendem Link runtergeladen werden kann. Die Regel unter dem Link dürfte aus dem Jahr 1990 stammen.
Altenburger Regeln aus den 1950er bis - 70er Jahren.
Diese Regel ist geschrieben von Dr. Friedrich Schlager aus Rastatt und wurde ab den 1950er Jahren bis mindestens in die 1970er Jahre veröffentlicht. Schlager war in den 50er und 60er Jahren des letzten Jahrhunderts der "Cego-Papst". Von ihm stammt die erste Veröffentlichung über die Geschichte des Cegos: "Das badische Nationalspiel „Cego“ und die anderen in Baden und an Badens Grenzen volksüblichen Kartenspiele" von 1951.
Folgende hier beschriebenen Regeln scheinen heute weitgehend ausgestorben zu sein:
- "Bettel geht vor Soli"
- Man kann "Cego fort" sagen
- sind alle "Cego fort" kann ein Piccolo oder nochmals ein Bettel angesagt werden. Nur wenn kein Piccolo oder Bettel angesagt wird, wird automatisch ein Räuber (Ramsch) gespielt.
Diese Regel ist aus Rastatt, also aus heutiger Sicht aus dem "hohen Norden". In dieser Gegend wird heute nur noch selten Cego gespielt. Vielleicht sind aus diesem Grund die hier beschriebenen Besonderheiten inzwischen weitgehend ausgestorben.
Cego-Reglen von 1860
Damals war es noch fraglich, ob man um ein Eheversprechen spielen durfte. Klar war aber, dass "Blödsinnige und Irrsinnige" nicht spielen durften.
Diese Regel ist nicht nur ein interessantes Sittengemälde der damaligen Zeit, sondern auch ein bemerkenswertes Dokument, wie Cego in Nordbaden um Mannheim gespielt wurde.
Folgende Steigerungsstufen waren möglich
- Solo-Spiel
- Solo-Spiel gegen Solo
- Zigo-Spiel gegen Solo
- Zigo-Spie in Uno ( "Eine")
- Zigos-Spiel mit Leeren
- Zigo-Spiel mit 2 leeren
Darüber hinaus gab es keine Sonderspiele und keine Möglichkeit sich gegen Solischinden zu wehren (kein Räuber und kein Pflichtsoli) In ihrer Grundstruktur ist sie damit der Regel von 1845 (siehe unten) recht ähnlich:
Im Gegensatz zu den 15 Jahren älteren Regeln, bietet diese Regel aber die Möglichkeit für das Spiel zu dritt und zu viert. Sie hat außerdem "Die Leere" als zusätzliche Steigerungsform.
Es sind 70 Punkte im Spiel, damit werden 3 Karten zusammengezählt. Wie auch bei den Regel von 1845 sind die damaligen Abrechnungsformen heute nicht mehr bekannt.
Was aus heutiger Sicht nicht mehr aktuell ist , ist der geschichtliche Teil der Regel. Hier wird der Begriff "Zigo" von den Zigeunern abgeleitet, die nach der Auffassung der Verfasser das Spiel nach Deutschland gebracht haben sollen.
Die Regel wurde in Feudental nahe Mannheim niedergeschrieben.
Cego-Reglen von 1845
Paul Eaton, einem Tarockfreund aus England ist es zu verdanken, dass wir an dieser Stelle die älteste bekannte Cegoregel präsentieren können. Er ist nach London gereist um die Regen zu kopieren und zu transskripieren. Ein Regelwerk aus dem Jahr 1845 von Sebaldus Schwarzer : "Die bekannten Bierspiele als Cerevis, Schlauch, Quodlibet, Ceaco, Bierlicke (?), Rams und Eilfmännel". Von diesem Buch ist weltweit nur ein einziges Exemplar bekannt. Es liegt in der Britsh Library in London und wurde 1845 von einem Berliner Verlag veröffentlicht! Von Sebaldus Schwarzer ist leider nichts bekannt, weder woher er kam, noch wo er das Cegospiel erlernt hat.
Diese Regel wurde verfasst nur drei Jahrzehnte, nachdem
das Spiel (wahrscheinlich) von badischen Soldaten aus dem Spanischen Unabhängigkeitskrieg mitgebracht worden war. Es enthält nur die Regeln und keine historischen oder regionalen Informationen.
Hier die Zusammenfassung der wichtigsten Punkte:
Die Könige werden Honore genannt, der Gstieß heißt Skis (wobei die Aussprache von Stiess, Gstieß und Skis wahrscheinlich sehr ähnlich war). Der Leger wird auch Caeco genannt.
Es wird ausschließlich ein Spiel mit 4 Spielern beschrieben. Ein Spiel zu dritt gibt es hier nicht. Bei fünf Spieler setzt der Geber aus.
Es gibt fünf Steigerungsformen:
• Solo
• Caeco in Zweien = Cego
• Caeco in Einer = Eine
• Caeco in Zweien gegen Solo = Gegensolo mit Cego
• Caeco in Einer gegen Solo = Gegensolo mit Einer
Möglichkeiten, sich gegen das Solo-Schinden zu wehren, gab es noch nicht. Sowohl der Pflichtsolo wie auch der Räuber und andere Sonderspiele wurden nicht beschrieben.
Es werden drei Karten zusammengezählt, damit waren 70 Kartenpunkte im Spiel.
Die Punktevergabe erfolgt in Strafpunkten, sogenannten Bengeln. Sie entspricht nicht den heute verbreiteten Abrechnungsarten. Interessant ist, dass der Spieler mehr Strafpunkt kassiert als die Gegenspieler. Gewinnt der Spieler bekommt er Straffpunkte wieder gestrichen. Aber nicht so viele als wenn er verloren hätte.
Das Dreierles
Das Dreierles wird heute noch in Mittelbaden um Rastatt herum gespielt. Es ist dem Österreichischen Tapptarock ähnlicher, als das Cego oder das Dappen. Es wurde es von den Österreichern, die um 1850 beim Festungsbau in Rastatt beteiligt waren, in die Region gebracht. Weitere Informationen im Kapitel "Geschichte".
Die Dreierles-Regeln von Ulf Martin hat er in www.pagat.com veröffentlicht.
Die Dreierles-Regeln aus Muggensturm sind von Karlheinz Hornung und die Dreierles-Regeln aus Malsch sind von Walburga Rademacher. Nach denen wird in der alten Schmiede gespielt.
Offiziers-Cego
Das Offiziers-Cego ist eine sehr einfaches Spiel für 2 Personen. In Unadingen wird das Offiziers-Cego genutzt um Kindern das Stechen und das Zählen der Karten zu lehren. Die folgenden Regeln stammen von dort. Danke für das Bild: Andreas Schurzmann
Das Dappen
Das Dappen wird heute nur noch in wenigen Gegenden gespielt. In Buchenbach bei Freiburg, in Breitnau wo es kurz vor dem Aussterben und um Furtwangen. Ausgestorben ist es inzwischen in Schollach, in Schwärzenbach, in Unterbränd, in Hinterzarten und in St. Märgen. Möglicherweise auch "unten im Land" irgendwo. Ich bin sehr dankbar über Nachrichten, in welchen Gegenden es sonst noch gespielt wird oder wurde.
Es ist eine Tarockvariante die zu sechst oder zu siebt gespielt wird. Das Dappen ist ein Spiel das möglicherweise seine Wurzeln noch im 18. Jahrhundert hat und mit Schweizer Tarockvarianten verwandt ist.
Wir haben am 9. Februar 2024 "gedappt" und die Regeln von Buchenbach und Breitnau mal runtergeschrieben. Danke an Willi Wangler und Thomas Eckmann für die Regeln. Am 3. Juli 2024 waren wir mit John McLeod und Ulf Martin bei der Familie von Margit Klausmann in Furtwangen und haben die dortigen Regeln kennen gelernt.
Die Besonderheit beim Dappen ist, dass die Spieler wenige Karten auf der Hand haben (6 Karten bei 7 Spielern und 7 Karten bei 6 Spielern) und der Leger sehr groß ist (12 Karten). Da es bei so vielen Gegenspielern schwieriger ist eine Farbe durchzubringen, darf sich der Alleinspieler die höchsten Trümpfe aus dem Leger raussuchen. Das ist die Gute Nachricht. Die Schlechte ist: Er muss alle Karten aus den Leger übernehmen die 5 Punkte zählen (Gstieß, Mund und Geiß sowie alle Könige). Besonders die Könige werden bei 5 oder 6 Gegenspielern leicht abgestochen.
Regionale Regeln
Wie wird Cego bei Euch gespielt? Zu dritt, zu viert? Räuber nach Regeln? Habt ihr weitere Sonderspiele? Sind 70 Punkte im Spiel oder 79? Spielt ihr mit einer Halben oder ohne? Diese Seite wird laufend durch Eure Regeln ergänzt. Von dort wissen wir gar nichts.
